Die rosarote Brille, oder der Thailand Blues.

(Bi) Die Geschichte vom Liebeskasper.

Alle Namen und Orte sind so gewollt, wer sich dabei erkennt ist gemeint.

Karin hatte den Anruf aus Thailand schon länger erwartet. Zwar nicht um diese unmenschliche Uhrzeit, es war 4:30 Uhr, aber sie wusste, dass ihr Bruder früher oder später anrufen würde.

„Was soll ich nur tun?“ fragte er, „ich weiß nicht mehr weiter, mein Traum, meine ganze Planung für die Zukunft ist zerstört“ jammerte er. Karin konnte sich gerade noch ein „Das habe ich kommen sehen“ verkneifen.

Ihr Bruder Robert flog, nach einer Kur, mit 54 Jahren das erste Mal nach Thailand in Urlaub. Er hatte eine Woche Bangkok und anschließend zwei Wochen Badeurlaub in Hua Hin gebucht. Nach zehn Tagen rief er seine Schwester in Recklinghausen an und teilte ihr mit, dass er immer noch in Bangkok sei und sich verlobt habe. Seine bildhübsche Braut sei 28 Jahre alt, sehr verliebt und verrückt nach ihm. Robert wolle ab nun für immer in Thailand bleiben und hatte seine Arbeit bei Bayer schon gekündigt. Das Haus, das er von seiner Patentante geerbt hatte wolle er veräußern und von dem Kaufpreis ein großes Haus im Isaan für sich und seine zukünftige Ehefrau kaufen. Karin riet am Telefon zu etwas mehr Besonnenheit.

Kaum ein viertel Jahr später berichtete Robert am Telefon, dass der Kaufpreis für das Haus der Tante schon einen Monat überwiesen sei und die Papiere für das Haus und das Grundstück in Udon Thani schon umgeschrieben sei. Um unnötige Laufereien, Behördengänge und Papierkram zu vermeiden habe man es auf den Namen der Verlobten eingetragen. Karin empfahl ihrem Bruder etwas mehr Zurückhaltung.

Karin rief nun regelmäßig alle zwei Wochen bei Robert in Thailand an um zu fragen wie es ihm geht. Dabei hatte Robert immer viel Neuigkeiten zu berichten. Einmal waren die Eltern eingezogen. Dann wurde ein Pickup gekauft. Beim nächsten Anruf war auf einmal eine Tochter, die bisher bei einer Schwester wohnte, der neue Mitbewohner. Einmal wurde ein Fischteich angelegt. Dann zogen ein Bruder und eine Schwester mit in das Haus. Beim nächsten Telefonat hatten sie noch ihre drei Kinder nachgeholt. Robert erzählte ganz stolz von seiner neuen Großfamilie und Karin wusste nicht wie sie Robert noch weiter warnen sollte.

Bei einem erneuten Telefonat berichtete Robert, dass der Thai Ehemann seiner Verlobten, von dem sie eigentlich schon lange getrennt lebe, aber noch nicht geschieden sei, ganz plötzlich einen Anteil von dem Haus haben möchte. Für eine Million Baht, was etwa 20.000 Euro entspricht, wolle er aber darauf verzichten.

Robert holte darauf die Million von seinem Konto und legte das Geld, da seine Verlobte nicht zu Hause war, in den Kleiderschrank. Dabei entdeckte er Papiere in englischer Sprache und fand beim Durchlesen heraus, dass seine Braut in der Zeit, als Robert in Deutschland zur Kur war, von einem US Amerikaner geschieden wurde. Als er sie darauf ansprach und wissen wollte was mit dem Thaimann und dem Amerikaner sei, bedrohte ihn plötzlich die ganze Familie und er konnte nur noch fluchtartig das Haus verlassen. Gut, dass er seinen Pass und noch etwas an Geld in einem Schließfach der Bank deponiert hatte.

Da Robert zuerst nicht wusste wohin er gehen solle, er hatte bei der Flucht seine ganzen Kleider im Haus gelassen, ging er in eine Deutsche Gaststätte in Udon Thani. Dort traf er mehrere deutschsprachige Männer. Sie waren meist kurz vorm Rentenalter und erzählten alle die gleichen Geschichten. Alle hatten auf eine ähnliche Weise ihr Hab und Gut verloren. Zurück nach Hause konnten die meisten nicht mehr, da sie ihre Wohnungen alle aufgegeben hatten. Manche waren schon öfters von Thaifrauen „hereingelegt“ worden.

Letzte Woche rief Robert wieder bei seiner Schwester an. Er hörte sich glücklich an und sei wieder liiert. Doch seine Verlobte sei ganz anders.

Ein Gedanke zu „Die rosarote Brille, oder der Thailand Blues.

  • 18. Mai 2011 um 6:12 Uhr
    Permalink

    Ein Freund hat mir deinen Blog gerade empfohlen und dann hatte ich gedacht schaue ich doch einmal vorbei. Und ich muss sagen er gefaellt mir richtig gut, ich glaube er koennte zu einen meiner Stammblogs werden. Echt ein Interessanter Post und ich hoffe da bekomme ich noch mehr von zu Lesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

94 − = 84